Eine Edition namens «Festland» kreieren – eine inspirierende Aufgabe für dich?
Durchaus! Ich finde es immer gut, einen Überbegriff zu haben, anhand dessen ich meine Ideen ordnen kann. Eine vermeintliche Einschränkung bedeutet oft grössere Freiheit. Die komplette Freiheit wirkt nämlich meistens erstmal überfordernd und lähmend. Ausserdem ist Festland ja ein Begriff, den man sehr weit fassen kann.

Nicht aus jedem Bild sticht das Titelthema direkt ins Auge. Hilfst du uns auf die Sprünge, zum Beispiel bei den trinkenden Eseln?
Das stimmt. Aber wie bereits erwähnt: Ich finde, der Begriff lässt sich sehr weit interpretieren. Beim Eselbild gab es aber schon einen konkreten Gedanken. Da ist alles total vage und fixiert zugleich. Die Esel stehen fest auf dem Boden. Die Männer sind allerdings in einer komischen Position – weder richtig sitzend, noch stehend. Ihre Fussspitzen berühren den Boden. Über ihren vereinten Arm spazieren vier Igel. Was soll das alles? Ich will diese Frage gar nicht endgültig beantworten, mich interessiert genau das beim Zeichnen: surreale Welten erfinden, in denen andere Gesetze gelten. Dem Begriff Festland wohnt ebenfalls viel Rätselpotenzial inne: Was ist das genau, respektive ab wann wird eine Landmasse als Festland definiert? Wo verläuft die Grenze zur Insel? Ich habe im Zuge dieses Auftrags mit mehreren Leuten darüber diskutiert, und wir waren uns fast immer uneinig.
Welches ist dein Lieblingsbild aus der Serie und warum?
Ich mag diese zwei aquatischen Wesen, die am Strand arbeiten. Es ist natürlich ein bisschen albern. Aber diese Vermischung von seriöser Wissenschaft – das Bild ist angelegt an diese bekannte «Landgang»-Illustration, die nachträgliche Visualisierung der ersten Tiere, die vom Wasser ans Festland kamen –, modernen Arbeitsmodellen und alltäglichen Büro-Floskeln, das hat mir viel Spass gemacht. Generell mag ich die Vermischung von Dingen, die eigentlich nicht zusammenpassen. Und sprechende Tiere sowieso.
Kreativität am Kubikmeter
Die Bezeichnung «Künstlerin und Autorin» in ihrer Biografie ist ein Understatement. Ob als Cartoonistin, als Musikerin in der Formation «Hundefutter» mit Raoul Doré, als DJ Kutschenfahrt, als Bühnenpartnerin von Manuel Stahlberger, als Hundsverlochete-Reporterin im Schweizer Fernsehen oder in anderen kreativen Rollen: Die Trägerin des Kulturförderpreises der Stadt St.Gallen sprengt jede Genre-Schublade – und ist gerade deshalb eine Klasse für sich.
- Website von Julia Kubik
- Julia Kubik auf Instagram (@spionageschiff)
- Musik von Julia Kubik und Raoul Doré (Hundefutter)
- Julia Kubik im Magazin «Saiten»
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KI – mit K wie Kubik
Festland ist für Julia Kubik kein Neuland. Im Oktober 2025 war sie Keynote-Speakerin an der Lab Session Kreative Intelligenz II. Ihre Präsentation führte auf ebenso inspirierende wie unterhaltsame Art vor Augen, dass KI gegen menschliche Ideenkraft keine Chance hat.

