Seit 30 Jahren ist «Saiten» der Kulturkompass der Ostschweiz, geschätzt für hochwertigen Journalismus und den Veranstaltungskalender. Doch wie die gesamte Branche kämpft auch «Saiten» mit dem tiefgreifenden Medienwandel. Daria Frick zeigte, mit welchen drei Herausforderungen das Magazin konfrontiert ist, um seine Unabhängigkeit zu bewahren:
1. Das Gratis-Dilemma
Für den Verein Saiten ist eins klar: Qualitätsjournalismus soll niederschwellig und für alle zugänglich bleiben. Das ist eine starke Haltung, die im Alltag allerdings an Grenzen stösst. Der offene Zugang führt nämlich dazu, dass Texte zwar fleissig gelesen werden, die Bereitschaft für ein festes Abonnement aber kontinuierlich schwindet. Wie gelingt der Schritt von der Gratiskultur zu neuen Einnahmequellen, ohne die eigene Unabhängigkeit aufzugeben?
«Wir wollen den Zugang niederschwellig gestalten und haben bewusst keine Paywell. Aber wir spüren immer mehr die Konsquenzen davon. Es fehlt vielleicht auch an Verständnis und Solidarität für unsere Arbeit.»
Daria Frick
2. Der demografische Wandel
Bei «Saiten» zeigt sich eine klare Tendenz: Die treue Stammleserschaft ist im Durchschnitt 50 Jahre alt.
Das Problem dabei ist nicht das Alter, sondern der Geschmack. Themen, die eine ältere Generation fesseln, interessieren ein jüngeres Publikum oft weniger. Und umgekehrt. Die Redaktion steht vor der Aufgabe, Inhalte für jüngere Leute zu schaffen, ohne dabei die Wünsche der treuen Abonnent:innen aus den Augen zu verlieren.
«Haltung oder Anpassung? Die Frage ist, wie Journalismus neue Zielgruppen erreicht, ohne sich selbst zu verlieren.»
Daria Frick
3. Der Spagat zwischen Print und Digital
Wie soll eine kleine Redaktion “neue” Kanäle wie Instagram ansprechend bespielen, wenn der Alltag schon gefüllt ist? Vor genau diesem Problem steht auch Saiten.
Einerseits schätzt die Stammleserschaft das gedruckte Magazin, andererseits führt kein Weg an digitalen Kanälen vorbei, wenn man ein jüngeres Publikum erreichen will. Doch neue Formate wie Social Media Videos oder Podcasts entstehen nicht nebenbei.
Unser Fazit
Der Wandel in der Medienbranche fordert viel. Doch das Kollektiv hinter Saiten beweist eindrücklich, wie redaktionelle Unabhängigkeit und Mut zu neuen Wegen Hand in Hand gehen. Genau diese Haltung schätzen wir bei Festland seit vielen Jahren als treue Abonnent:innen enorm. Danke, Daria, für diesen spannenden Blick hinter die Kulissen und den wertvollen Austausch.

